AGFFM Veranstaltung zum Welt-Alzheimertag 2016

Referenten Prof. Wilfried Härle und Prof. Thomas Fuchs

Bildquelle: rheinmainbild.de/Klaus Leitzbach
Bildquelle: rheinmainbild.de/Klaus Leitzbach

"Die leibliche Resonanz vermittelt einem Menschen mit Demenz die emotionale Wahrnehmung seiner Umwelt und lässt ihn über seine Emotionalität eine grundlegende Orientierung erfahren".

Prof. Thomas Fuchs

 

Unter dem Begriff "Leibgedächtnis" spricht Professor Thomas Fuchs über den fortschreitenden Verlust des expliziten Gedächtnisses als eines der frühesten und markantesten Symptome der Alzheimer-Erkrankung und weist darauf hin, das im Gegensatz dazu weite Bereiche des impliziten Gedächtnisses noch in späten Stadien der Erkrankung unbeeinträchtigt sind.

 

So bleibt etwa der Umgang mit Gegenständen (Besteck, Zahnbürste o.ä.) noch lange möglich,

 

auch wenn ihr Name und ihre Funktion nicht mehr benannt werden können. Ebenso zugänglich bleiben spezifisch persönliche Anteile des impliziten Gedächtnisses - vertraute Umgebungen, Stimmen, Melodien, Gerüche - und wecken nicht nur entsprechende Emotionen, sondern oft noch zugehörige autobiographische Erinnerungen, die sich sonst dem unmittelbaren Zugriff entziehen.

 

" Dieses für den Anderen "Da-sein" wird in seiner Bedeutung oft unterschätzt "

Prof. Wilfried Härle

 

Referent Professor Wilfried Härle beschreibt die relationale Betrachtung des Menschen mit Demenz.

 

"In Bezug auf etwas außerhalb seiner selbst ist er eine Person". Dieses Verständnis des Menschen verliert auch im Blick auf Menschen mit Demenz nicht an Bedeutung und beinhaltet auch ethische Konsequenzen, so Härle.

 

Härle erwähnt, dass nicht nur der unmittelbar betroffene Mensch in einer solchen Situation leidet, sondern auch die Menschen, die ihm nahestehen und ihn begleiten.

 

Im Anschluss an die beiden Referenten gab es eine anregende Diskussion, wobei sich einige Diskussions-teilnehmer zur thematischen Einschätzung der beiden Referenten konträr äußerten.

 

Nach einer kleinen Pause bei Imbiss und Getränken führte Filmjournalist Günther Wagner in den Film

"Still Alice" ein, den er als Visualisierung unser aller Angst vor der Krankheit Alzheimer bezeichnete.

 

Am Ende der Veranstaltung gab es reichlich Gelegenheit zum Gedankenaustausch bei allerlei Speisen

und Getränke.


Filmkritik: STILL ALICE - Mein Leben ohne Gestern

© rheinmainbild.de/Klaus Leitzbach
© rheinmainbild.de/Klaus Leitzbach

Der Film aus dem Jahr 2014 zeigt was mit einem Menschen geschieht der plötzlich bemerkt, dass mit seinem Gedächtnis etwas nicht stimmt.

 

Die an Alzheimer erkrankte Alice Howland, wird von Julianne Moore, beeindruckend und authentisch verkörpert, wofür sie als beste Hauptdarstellerin 2015 mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

 

Obwohl der Film keine Dokumentation ist, zeigt er doch wie schwierig es ist, sich die Erkrankung einzugestehen, ärztlichen Rat zu suchen und die Diagnose und die Folgen der Demenz zu aktzeptieren.

 

Außerdem thematisiert der Film wie sich Demenz auf das soziale Umfeld auswirken kann.

 

Quelle: Filmkritik FFM JOURNAL


Redebeiträge PDF-Download

Download
Rede von Prof. Wilfried Härle Demenz aus theologischer Sicht
AGFFM Prof. Härle Demenz aus theologisch
Adobe Acrobat Dokument 186.8 KB
Download
Rede von Prof. Thomas Fuchs - Demenz und personale Identität
AGFFM Prof. Fuchs Demenz und personale I
Adobe Acrobat Dokument 726.8 KB